Gebäude-Lagebeschreibung 
„Abnahmestelle Oberraderach“

Thomas Kliebenschedel, Friedrichshafen 2023

 

Kurzbeschreibung

Anhand von Luftbildern, Historischer-, wie auch Fotos der Gegenwart, wird die Lage diverser Gebäude unter ihrer Historischen Bezeichnung und teilweise auch deren derzeitige Zustand dargestellt.


In der Abbildung weiter unten werden mit gelben Punkten Ziffer 1 bis 16 die Bauten markiert, die für eine Beschilderung in Frage kommen könnten. Die Positionen 15, 16, 5, 6 sollten eine besondere Aufmerksamkeit bekommen.


Die Position 15 Beschreibt das KZ-Ausweichlager des Arbeitskommando Friedrichshafen. Position 5 das Bau- Arbeitslager. Position 6 ist das E-Werk, es ist die am besten erhaltene und gleichzeitig größte sichtbare Ruine. Eine Besonderheit an der Ruine ist ein Durchschussloch im Mauerwerk, das durch den Beschuss durch ein Größeres Kaliber (Flak?) der Französischen Streitkräften, entstanden ist. Die Ruine lässt sich am besten mit den derzeitigen Zerstörungen in der Ukraine vergleichen. Ebenso verhält es sich mit der Position 16, dort befinden sich neben größeren Trümmern auch mehrere leicht zu erreichenden 
Bombenkrater im Durchmesser von 10 bis 15m und einer Tiefe von mindestens 3 bis 4m im Originalen Zustand. 


Die Positionen 17 bis 38 (blaue Punkte) sollen in einem Lageplan aufgezeigt werden. Das Ende des Artikels beinhaltet eine kurzgefasste technische Beschreibung des Nutzungszwecks wesentlicher Bauten. 

Nr. 1: Lagerhallen (alias Schreinerei)

 

Nr. 2: Unterkunftsgebäude 1 - 3 (plus Poststelle?)

 

 

Nr. 3: Verwaltung

 

Nr. 4: O2-Gebäude

 

Flüssig-O2-Verladestation

 

Nr. 5: Barackenlager (Bau-Lager) und Nr. 15: Ausweichlager

 

Eingang

Bau-Lager

Nr. 6: Freiluft-Schaltanlage (Umspannwerk)

 

Nr. 7: T-Stoff-Lager + Z-Stoff-Lager

 

Nr. 8: Werkstatt

 

Nr. 10: Spritzstand

 

Nr. 11: Meßhaus

 

Nr. 12: Wasser-Behälter 400m³

 

Nr. 13: Prüfstände (Brennstände) und Nr. 16: Bombenkrater, Trümmer

 

Nr. 14: Kühlturm

 

Das Barackenlager wurde später auch zum "Ausweichlager"

Nr. 17, 19, 22, 23: Luftschutzstollen

 

Nr. 20: Unterkunftsgebäude 4 - 12

 

Ohne Bilder

Nr. 9: Hochbehälter (Wasser-Reservoir)

Nr. 18: Wirtschaftgebäude?

Nr. 21: Wirtschaftsgebäude?

Nr. 24: Wirtschaftsgebäude A + B?

Nr. 25: Wache

 

Nr. 27: Lager

 

Nr. 26: Kraftwagen-Halle (Garagen)

 

Nr. 28: Sprit-Mischanlage

 

Auszug technische Beschreibungen

O2-Gebäude (Sauerstoffwerk)

Für das Sauerstoffwerk bei Raderach waren 1942 vorerst 5 Erzeugereinheiten der Firma Heyland, geplant. Aus einem Bericht des Französischen Militärs wurden 1945 allerdings 6 bis 7 Erzeugereinheiten vermutet. Die Halle in dem die Erzeugereinheiten untergebracht waren, wurde am 16.8.1944 während einer Bombardierung durch die 464th Bomb Group, mit mindestens einer Bombe getroffen. Das Gebäude wurde dabei erheblich beschädigt. Als die Franzosen 1945 das Werk besetzten, befanden sich im Abfüllbereich noch zwei spezielle Waggons für den Transport von flüssigem Sauerstoff. Oberhalb des Abfüllbereichs befanden sich in dem östlichen Seitenschiff des Sauerstoffwerkes, die Lagertanks für den flüssigen Sauerstoff. Die Speziellen Behälter waren mit einem ca. 1m dicken Isolierschicht umgeben. Von den Erzeugereinheiten waren 4 Stück nicht von dem Zerstörten Gebäude begraben worden. Aus der Zeit der Errichtung des Sauerstoffwerk sind einige Gesprächsprotokolle erhalten die eine grobe Vorstellung ermöglichen, welche Produktionsleistung vom Sauerstoffwerk erbracht wurde. Der Verbleib der in Raderach demontierten O2 Erzeuger Einheitenweiten lässt sich heute noch bis nach „Bechar“ in Algerien Nachverfolgen. Zwischen dem 8.4.1948 und dem 10.4.1948 wurde das Sauerstoffwerk gesprengt. Während der 70er Jahre wurde das Trümmerfeld, das nach der Sprengung zurückgeblieben ist eingeebnet und mit einer ca. 1m bis mehrere Meter dicken Erdschicht überdeckt.

 

 

Auszug aus der Bauplanung des Raderacher Sauerstoffwerkes von 1942

 

"1.) Aufbau der Anlage zu 1500 moto O2-fl. wird zweckmäßigerweise aus Einheiten zu 540 kg O2-fl/stunde aufgebaut. bei 600 Betriebsstunden je Monat ergibt eine Einheit 300 moto O2-fl. d.h. für jede Anlage werden 5 Einheiten, für 3 Anlagen insgesamt 15 Einheiten zu 540 kg o2 fl/Stunde benötigt [...] Nach Schätzung von Dr. Stoll betragen die Kosten für eine Einheit ohne Tank und ohne Elektrische Einrichtung ca. 200000 RM dazu Kosten für 1 Tank (50 cbm) je Einheit 100000 RM dazu Kosten für die Elektrische Einrichtung je Einheit 150000 RM dazu Kosten für die Montage je Einheit ca. 20 % der Gesamtkosten: 70000 RM

 

Raumbedarf: […] Es wird je Einheit ein Platz von 20x40 m B Bodenfläche benötigt. Größte Höhe 15 m. dazu kommen noch 30 % Platzbedarf für den Lagertank. [...]

 

Energiebedarf: Der Energiebedarf je Einheit beträgt 620kw [...]"

Quelle: BaMa Freiburg Gesprächsprotokoll vom 23.3.42

 

 

"3. O2 - Flüssiganlage Friedrichshafen 

 

Am 30.3.42 wurde anlässlich einer Sitzung bei Chef Ing. 4 unter dem Vorsitz von Reg.Baurat Poenicke und der Beteiligung von Vertretern von Prüf 11 Wa J Rü ( Mun 3), Ea. Abt. und den Firmen Heylandt und Beton & Monierbau AG. folgende Entschlüsse gefasst:

 

a.) Für den Bau der für die Abnahme der Geräte in Friedrichshafen erforderlichen Anlagen ist Wa. Abn. zuständig. Wa. Abn erteilt die Erforderlichen Aufträge und beantragt die notwendigen Geldmittel. 

 

b.) Für die Maschinelle Einrichtung der 02-Flüssig-Anlage (1500 moto) der Elektrischen Einrichtung und für den Abschluss des Stromlieferungsvertrag ist Wa J Rü ( Mun 3 ) zuständig. 

 

c.) Es werden seitens Wa Abn sofort Maßnahmen zum Ankauf des erforderlichen Geländes eingeleitet. 

 

d.) Die Fa. Beton & Monierbau beginnt sofort mit den notwendigen Arbeiten. 

 

e.) Die Fa. Heylandt reicht baldmöglichst ein Angebot auf Lieferung einer 1500 moto 02 Flüssig Anlage an Wa Rü ein. Die für den Aufbau der Anlage erforderlichen Einheiten werden nur mit Vorrichtungen für die Entnahme von 02-Flüssig versehen. Anstelle der Kugelförmigen Lagertanks werden Zylindrische Lagertanks, die auf Eisenbahnwagen transportier werden können, geliefert. Endgültige Auftragserteilung erfolgt gegebenenfalls aufgrund des anfangs Mai zu erwartenden Führerendscheits."

Quelle: BaMa Freiburg RH 8/v 1212 Gesprächsprotokoll vom 30.3.42

 

 

Maschinelle Errichtung O2-Werk

 

Leider gibt es keine vollständige Liste der maschinellen Einrichtung des Sauerstoffwerkes in Raderach. Allerdings wurde in Frankreich ein Sauerstoffwerk nach der Spezifikation der Raderacher Werkes gebaut, von der eine Liste der in Raderach eingebauten Maschinen erhalten blieb. (Projekt F vom 8.8.1942) *1

 

  • 5 Luftfilter 
  • 5 Kohlensäureabschneide- Einrichtungen einschl. Laugeabscheider
  • 10 Laugenpumpen und 2 Laugenfüllpumpen 
  • 5 HD-Expansionsmaschinen mit Keilriementrieb 
  • 5 Doppelölabscheider für Expansionsmaschinen 
  • 5 Trennapparate mit 5 Auftauapparaten 
  • 2 Umschaltstationen für HD-Luft 
  • 5 normale Rohrleitungen ( 16700 kg unleg. Stahl.) 
  • 1 Ausblasetopf für die HD-Luftkompressoren 
  • 2 HD-O²- Kompressoren 3 S 225 für Keilriementrieb und Gasfilter und 2 Ausblasetöpfe 
  • 1 Wasser- Destillieranlage 
  • zusätzliche Rohrleitungen ( Alu oder Leg.Stahl für die flüssig- O² Leitungen ) 
  • 5 HD-Luftkompressore

 

*1 Schreiben der Fa. Heylandt Gesellschaft für Apparatebau m.b.H Berlin an das Oberkommando des Heeres Abt.Wa.I.Rü ( Mun.3) Herrn Dipl.Ing. Matschky o.V. Berlin W.35 Tirpitzufer 38/40 vom 18.2.1943.( Projekt F= Friedrichshafen)

 

 

Spritzstand

Die Prüfung des Antriebblocks

 

Die Prüfung des Antriebes wie sie in Raderach durchgeführt werden sollte, bestand aus zwei Tests. Im Wesentlichen findet man auf dem Prüffeld in Raderach zwei unterschiedliche Typen Prüfstände, die aus drei Prüfständen für einen heißen Test bestehen und einer in vier Abteilungen aufgebauter Prüfstand für kalte Tests.

 

 

Testeinrichtungen

Alle Testeinrichtungen ermöglichen versuche an vollständig montierten Raketen. Dieses entspricht den Vorgaben zur Prüfung von Serien Raketen zu dem damaligen Zeitpunkt. Anhand noch vorhandener Unterlagen und den Berichten der Französischen Besatzungsmacht, dürfte vor einer heißen Prüfung des Antriebes, die Funktion der T-Anlage und der Turbopumpe durchgeführt worden sein. 

 

Ziel dieser Prüfung war die Sicherstellung vorgegebener Fördergeschwindigkeit und Drücke der Turbopumpe, da sich herstellungsbedingt Unterschiede in der Leistung der Turbine ergeben konnten. Während der Tests wurde die Leistung durch Einstellung (Justierung, Kalibrierung) der T-Anlage korrigiert. Die gewonnenen Einstellungsdaten (Parameter) wurden erfasst und zusammen mit der Rakete zu den Einsatzkräften geschickt. Der Test der T-Anlage sollte wahrscheinlich so durchgeführt werden, dass die Rakete aufgerichtet auf einem Podest stehend betankt werden sollte. Der Heizbehälter dürfte durch einen „falschen Heizbehälter „der es ermöglichte den Treibstoff getrennt aufzufangen, ersetzt worden sein. In Peenemünde wurden hierzu aber spezielle auf fang Vorrichtungen in den Brennkammern (Ofen, Heizbehälter) eingebaut.

 

Die Franzosen fanden nach der Besetzung der Prüfstelle in einem Versuchsaufbau einen „falschen“ Heizbehälter der oben wohl die 18 Anschlüsse für die A-Stoffleitungen besaß, aber unten zu einem Trichter Ausgebildet war an dessen Abschluss eine Abflussleitung angeschlossen werden konnte. Ebenso wie der A-Stoff konnte der B-Stoff getrennt abgeleitet werden.

 

Der Einbau in die Versuchsanordnung erfolgte in einem ca. 25 m hohen Gebäude das mit mehreren Ebenen ausgestattet war. Diese Ebenen, die von zwei Seiten an die Rakete heruntergeklappt werden konnten, umschlossen die Rakete. Nach Aufbau und dem betanken dieser Prüfanordnung, konnte die gesamte Konstruktion auf Schienen aus dem Gebäude gefahren werden. Hierzu war das Gebäude, in dem sich vier solcher Abteilungen befanden mit Flügeltüren ausgestattet, wodurch jede Abteilung in voller Höhe geöffnet werden konnte. Der eigentliche Test der wie ein normaler Start durchgeführt wurde, fand im freien statt. Der aus dem Treibstoffbehälter abgepumpte Treibstoff wurde während des Tests in, im Boden befindlichen Tanks aufgefangen und wieder verwertet.

 

Nach der Überprüfung der T-Anlage erfolgte ein heißerer Test, bei diesem Test wurde neben der Funktion herstellungsbedingte Abweichungen festgestellt und ausgeglichen. Da aber eine Serienfertigung in Friedrichshafen nie zustande kam, wurden vermutlich in Raderach auch keine kompletten Raketen geprüft. Alle durchgeführten Tests hatten anhand der Änderungen an den Testeinrichtung einen anderen Sinn, als eine Serienprüfung vollständiger Raketen. Anhand der Versuchsaufbauten die von den Franzosen vorgefunden wurden, vermutende man damals das anstelle der Serienabnahme versuche zur Optimierung des Antriebes durchgeführt wurden. Tatsächlich ging man aber von dem Test vollständiger Raketen ab und beabsichtigte nur die Brennkammer im Brennstand zu testen und den restlichen Teil des Triebwerkes im Spritzstand.

 

Für diese Tests wurden in dem Gebäude Originaltreibstofftanks des A4 in einen Rahmen montiert. Unter diese Behälter wurde in einem Schub-Gerüst die Turbopumpe, der Dampferzeuger und sämtliche notwendigen Leitungen angebracht. An Stelle des Heizbehälters wurde, wie bereits beschrieben ein „falscher Heizbehälter „montiert und die Konstruktion wie ebenfalls bereits Beschrieben, zum Test aus dem Gebäude gefahren.

 

In dem Bericht von Prof. Moreau ist nachzulesen das man einer Prüfung der Treibstoffanlage wenig Sinn beimaß, da ohne dem durch die Verbrennung des Gases endstehenden Gegendruck im Heizbehälter das Ergebnis derart verfälscht sein müsste, dass auch die Deutschen Techniker diese Prüfung als unsinnig ansahen und daher einstellten. Die Anlage wurde während der Bombardierung stark beschädigt. Außer einigen A4 Tanks waren kaum etwas brauchbares zurückgeblieben. Turbo-Pumpen und sonstige Raketentechnologie wurden rechtzeitig von der Wehrmacht entfernt. Heute befindet sich annähernd an dieser Stelle das Stromaggregat der Mülldeponie.

 

Quellen: 

Inspektionsbericht von Prof. H. Moureu und P. Chovin /SHAA.Paris

Verschiedene Dokumente der RH8 Bestände des BAMA Freiburg

 

 

Prüfstand (Brennstand)

Alle Prüfstände (Brennstand) für die „heißen Prüfung“ waren der gleichen Bauart, wenn auch mit kleinen unterschieden im Bereich der Umlenkschurre. Ursprünglich war vorgesehen komplett montierte A4 in diesen Prüfständen einzuspannen und zu testen. Da durch den Kriegsverlauf eine Umstrukturierung der Rüstungsfertigung notwendig wurde, wodurch neben der Dezentralisierung auch Große Teile der Fertigung Bombensicher in unterirdische Fabriken verlagert werden musste, entschloss man sich die Prüfstelle nicht mehr in so in Betrieb zu nehmen, wie es ursprünglich geplant war. In der Niederschrift zur Lagebesprechung vom 1.11.1943 heißt es, dass in Raderach ab dem 15.11., 200 „Öfen“ monatlich gebrannt werden könnten, allerdings dies bereits im Februar 1944 wieder unterlassen wurde. In der Niederschrift 3/44 g/k wird festgelegt das die Bauwerke (Prüfstände) 1 bis 3 stillzulegen sind und die leicht zu entfernenden Armaturen und Messgeräte zu endfernen sind.

 

Von diesem Prüfstand sind heute noch einige Zeichnungen und Detailfotos erhalten. Diese Fotos und Zeichnungen dokumentieren neben dem Aufbau des Prüfstandes, auch die Änderungen die am Prüfstand 1. durchgeführt wurden. Im Wesentlichen bestand so ein Prüfstand aus zwei Stahlbeton Fundamenten zwischen diese die Umlenkschurre platziert war. Vor der Umlenkschurre befand sich ein Wasserbecken in das die Abgase geleitet wurden. Auf den Fundamenten, links und rechts neben der Umlenkschuhreh standen zwei Stahltürme die durch mehrere Plattformen verbunden waren. Alle Plattformen, die mit einer kreisförmigen Öffnung im Boden ausgestattet waren, konnten geöffnet werden. Hinter dieser Konstruktion standen nochmals zwei Türme, diese waren durch eine Kran-Brücke mit der Hauptkonstruktion verbunden.

 

Auf dieser weise konnte hinter dem Prüfstand eine V2 aufgerichtet und mit dieser Krananlage in die Konstruktion eingefahren werden. Dort hätte man sie kardanisch aufgehängt, eingespannt und danach einem Testlauf unterzogen. Die Rakete währe so platziert gewesen, dass, das Abgas direkt in die Umlenkschuhreh geleitet worden wäre. Bedingt durch Herstellungsunterschiede die durch den komplizierten Aufbau des Heizbehälters entstanden, wählte man in den Zuleitungen einen großen Durchmesser der dann durch einsetzen von Lochblenden, endsprechend dem geforderten Druck, reduziert wurde. Alle Messergebnisse und Reparaturen wurden in einer Lebenslauf Akte vermerkt, die in einem Behälter unter der Abdeckung neben der Sauerstoffnachtankleitung an dem A4 untergebracht war. Wie bereits genannt, wurden keine Prüfungen an kompletten Raketen durchgeführt.

 

In dem am Prüfstand 1. Fundament angegliederten Anbauten befanden sich zwei Kugeltanks aus Aluminium die einen Durchmesser von ca. 3 bis 4 m hatten. Diese Behälter waren mit Messeinrichtungen für das Gewicht und das Volumen ausgestattet. In diese Tanks wurden der Sauerstoff und Alkohol abgefüllt der per Bahn angeliefert wurde. Außerhalb des Prüfstandes befand sich eine Konstruktion in den 36 Druckbehälter je 1000 l Inhalt befanden. Diese Behälter waren mit je 150 kg Stickstoff gefüllt, der bei der Herstellung des Sauerstoffes anfiel. Mit diesem Stickstoff wurden während den tatsächlich durchgeführten Brenn- Tests, der Sauerstoff und der Alkohol in die Brennkammer gedrückt. Eine Turbopumpe kam während diesen Tests nicht zur Anwendung.

 

Gesteuert wurde die Prüfeinrichtung aus einem Bunker der sich direkt hinter der Umlenkschuhreh zwischen den Anbauten befand. Mit Hilfe zweier Periskope war es möglich aus dem Bunker direkt den Abgasstrom zu beobachten. Parallel dazu wurde zur Dokumentation mit einer Kamera eine Uhr und des Gewichts und Volumenanzeigen gefilmt. Um die hohen Abgastemperatur und die Gas Geschwindigkeit (Errechnet in der Brennkammer: 2000C° und Ausströmgeschwindigkeit der Feuergase 2000 m/s ) zu kühlen, war im unteren Bereich des Prüfstandes ein Ring der die Flamme umschloss. Von diesem Ring wurde direkt in die Flamme Wasser gespritzt. Neben dieser Kühlung besaß die Umlenkschurre Wasserdüsen. Während des Prüfvorganges wurde über einen Zeitraum von 2 Minuten rund 400 cbm Wasser eingespritzt, der dabei aufsteigende Wasserdampf bildete dann Pilzförmige Nebelsäulen die noch von der Schweiz aus ( ca. 25 Km ) noch gesehen werden konnten. Alle Drei Prüfstände waren über ca. 1,5 m durchmessenden Stahlrohre an einem Zentralen Wasserspeicher auf der Südseite des Mittelberges angeschlossen, das alle 1 bis 1,5 Stunden die erforderliche Wassermenge liefern konnte. Versorgt wurde der Speicher über eine Leitung, aus einer eigens dafür gebauten Pumpstation am Bodensee. Nach Kriegsende demontierten die Franzosen die Prüfstände, danach sprengte eine aus Radolfzell angerückte französische Pioniereinheit zwischen dem 7.4 und 21.4.1948 mit dermaßen viel Sprengstoff die Fundamente der Prüfstände, so dass sich die Trümmer in einem Umkreis von 150 m verteilten. Nach dieser Aktion blieben etliche Betonbrocken übrig die obwohl bis zu 20 Tonnen schwer mehr als 100 m durch die Luft flogen und heute scheinbar zusammenhangslos noch im Wald verteilt aufzufinden sind! Das Trümmerfeld das an dieser Stelle zurück blieb führte als bald zu der Spekulation das die Franzosen durch ihre gewaltigen Sprengungen eine unterirdische Fertigung zerstörten hätten. Vom heutigen Standpunkt aus gesehen dürfte es sich eher um eine beherzte Entsorgung von Rüstungsaltlasten gehandelt haben! Unterirdische Bauten hat es, mit Ausnahme normaler und technisch notwendiger Keller Bauten und dem Luftschutzstollen nie gegeben und entstammen der Phantasie von angeblichen Zeitzeugen.

 

O2-Gebäude (Sauerstoffwerk)

Eine der am besten erhaltenen Einrichtungen in Raderach ist das Umspannwerk das, das gesamte Tal mit Storm versorgte. Der größte Teil des Umspannwerkes befand sich im freien so dass es nach dem Krieg nicht viel zum Sprengen gab. Heute kann man noch die Fundamente der 4 Transformatoren, die Kabelschächte und der gleichen finden. Der Bedarf des Prüfwerkes und des Sauerstoffwerkes dürfte bei mehr als 5000 KW gewesen sein, 620 KW je Erzeugereinheit = 3100 KW und 2000 bis 2500 KW für die Prüfstände. Zur Stromversorgung wurde damals von Friedrichshafen- Jettenhausen, eine entsprechende Leitung mach Raderach gebaut.

Chronologie

Um eine Funktionsfähigkeit der in Peenemünde entwickelten Raketen des Typs A4 (V2 Rakete) zu gewährleisten, war ursprünglich eine Vollständige Prüfung vorgesehen. Hierzu wurden extra Prüfstände geplant und gebaut, in denen man die Triebwerke der Raketen zünden und auf Volllast betreiben konnte.

 

  • 16.1.1942 Besprechung in FN bei LZ, der Bau von Prüfständen auf dem Gelände des Luftschiffbaus ist aus Sicherheitsgründen nicht möglich. LZ prüft verschiedene Ausweichmöglichkeiten. 
  • 27.2.1942 Besprechung in Berlin, Fahrzeug Beschaffung für die Prüfstände in FN. 3St. MAN Eisenbahnwagen, 4St. 27000l O2 Eisenbahnwagen, 2St. 18000l Spiritus Eisenbahnwagen, 1St. T-Stoff Eisenbahnwagen, 1St. Warmvergaser? LKW oder Eisenbahnwagen, 1St. Elektrokarren mit Anhänger. 
  • 4.3.1942 Besprechung. Für FN-Prüffeld wird eine 1500 moto flüssig O2 Anlage benötigt. Baufreigabe April- Mai 1942. 
  • 7.4.1942 Brief an Rü (Rüstungsinspektion) V Stuttgart. Errichtung einer Abnahmestelle des OKH/Wa A, bei „Oberraderach“. 
  • 15.5.1942 Telegramm nach Berlin. Alle Vorbereitungen für Baubeginn in Oberraderach erledigt. Bau kann noch nicht begonnen werden da keine GB-Baunummer zugeteilt. Ab 16.5.1942, 200 Zivil-Russen, 80 Stammarbeiter und verschiedenes Kaufmännisches personal auf der Baustelle Oberraderach. 
  • 25.9.1942 Baustands Bericht 
  • 24.2.1943 Wa Abn ( Observatorium Raderach) (0634/43g) Personal- Liste für späteren Betrieb. Der Heeresabnahmestelle (A) 42 Namen. Für die vollständige in Betriebnahme der Abnahmestelle fehlen bis zum 1.8.1942, 234 Fachkräfte. Davon 49 Hilfsarbeiter und 4 Ungelernte Arbeiter. (Summe: 276 Arbeitskräfte bis 1.8.1943) 
  • 8.3.1943 Prüffeldeinrichtungen 
  • 6.8.1943 Besprechung vom 4.9.1943 (667/43g) Punkt 14 e) ..] Prüffeld Raderach wird durch Wa Abn. Besetzt. 
  • 1.11.1943 Niederschrift Lagebesprechung 23/43 g.K.s. ab 15.11.1943 können in Raderach 200 Behälter gebrannt werde. 
  • 10.11.1943 Schreiben an Sonderausschuss A4 Degenkolb [...] Raderach personell voll abgedeckt [...] 
  • 21.11.1943 Abtransport von 417 Bauarbeiter der Baustelle Raderach. Verhaftungen ab 17.11.1942 
  • 27.1.1944 Rechnerisch befinden sich 891 Häftlinge in Friedrichshafen und ca.400 (408) in Saulgau
  • 29.1.1944 Schreiben an v. Braun 40/44 gP ..] 24.1.1944 Stilllegung Raderach außer O2 Anlage.  
  • 28.4.1944 KZ Lager Friedrichshafen total zerstört ca. 4 Tage danach 538 Häftlinge aus Friedrichshafen in Rest- Bau Lager untergebracht. 335 Häftlinge von Friedrichshafen nach Saulgau. 15.5.1944 120 zurück nach Friedrichshafen, 18.5.1944 5 zurück, 19.5.1944, 5 zurück, 26.5. durch Flucht 2 zurück, 5.8.1944 von Friedrichshafen 18 nach Mauthausen,
  • 13.9.1944 1 zurück nach FN, 24.9.1944 75 zurück nach FN ( Raderach),
  • 25.9.1944 762 von FN (Raderach) nach Buchenwald 
  • 7.-21.4.1948 Sprengung der Abnahmestelle Raderach

 

 

Sprengung der Abnahmestelle Oberraderach 1948

„Die Teuringertal Bahn“ Werner Willhaus 1996

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